Pünderich, einmal historisch gesehen

Die Weinbaugemeinde Pünderich steht auf altem Siedlungsgebiet. Das erste Auftreten des Menschen in der Umgebung von Pünderich reicht bis in die jüngere Steinzeit zurück. In dieser Epoche, die auch als Neolithkuzm bezeichnet wird und die Zeitspanne von etwa 3500 bis 1800 c. Chr. umfasst, vollzog sich gegenüber der Alt- und Mittelsteinzeit ein grundlegender Wandel der Lebens- und Wirtschaftsform.

 

Die Kenntnis der Viehzucht und des Ackerbaus zwangen den bis dahin als Jäger und Sammler umherziehenden Menschen zu einer über mehrere Vegetationsperioden hinweg erstreckenden Sesshaftigkeit.

In der Latenezeit (475-30 v. Chr.) bewohnten die Kelten unser Gebiet. Die Treverer, ein Unterstamm der Kelten, waren die direkten Vorfahren der Bewohner des Moseltales. Um 58 v. Chr. wurden alle Gebiete westlich des Rheins von den Römern unterworfen. Die Bevölkerung bediente sich immer häufiger der römischen Kultur und ihrer Produkte. Zudem fand im 1. Jahrhundert n. Chr. ein intensiver Ausbau der städtischen wie ländlicher Ansiedlungen statt. Der zunehmende Wohlstand erreichte in der Friedenzeit des 2. Jahrhunderts seine größte Blüte und zahlreiche Villen entstanden im Moselgebiet.

Eine der größten römischen Villenanlagen liegt in Pünderich beiderseits der K52 auf dem „Bußflur“. Zahlreiche Streufunde datieren eine Besiedlung des 2. bis 4. Jahrhundert n. Chr. Mit dem Einfall der Franken und Alemannen im 3. Jahrhunderten ging die römische Epoche langsam zu Ende. Mehrfach wechselte das Land in den folgenden Jahrzehnten den Besitzer. Schon vor dem verheerenden Hunnensturm des Jahres 451 war das Leben im hiesigen Raum durch eine Kette von Invasionen und Zerstörungen so unerträglich geworden, dass viele Siedler, sofern sie die Einfälle überlebt hatten, in befestigte Städte abgewandert waren. Im letzten Drittel des 5. Jahrhundert fiel das Moseltal endgültig in die Hände ripuarischer Franken. Die romanische oder romanisierte Bevölkerung verblieb im Moseltal und lebte mit den fränkischen Eroberern zusammen.

Erst allmählich vollzog sich eine Verschmelzung beider Volksgruppen die bis ins hohe Mittelalter eine eigene Sprache, das Moselromanische, hatten. Vergleichbar mit dem Rätoromanischen oder Ladinischen. Sprachforscher gehen heute davon aus, dass die Germanisierung erst im 12. Jahrhundert abgeschlossen war. Zahlreiche Flurnamen in Pünderich haben einen moselfränkischen Ursprung.

Im hohen Mittelalter wurden Pünderich wie seine Nachbargemeinden den Trierer Erzbischöfen unterstellt. Die älteste Urkunde von Pünderich aus dem Jahre 1128 befindet sich heute im Landeshauptarchiv Koblenz. Neuere Forschungen ergaben, das es eine noch 20 Jahre ältere Urkunde von Pünderich gibt. Im Güterverzeichnis des Klosters Mettlach ist  ein Güterkomplex in Pünderich bezeugt, darunter auch ein Weinberg in der Gemarkung „Zinselt“. Diese Lage wird heute noch mit Reben bewirtschaftet. Viele Klöster hatten Besitzungen in Pünderich, darunter die Klöster Springiersbach und Rosenthal.

Mitte des 15. Jahrhundert erhält Pünderich eine Ringmauer. Reste dieser Ringmauer befinden sich heute noch rund um die Kirche. Um 1689 wurde diese Befestigung, wie alle Burgen an der Mosel von den Franzosen geschliffen. Im Jahre 1587 wurde unser Ort und die umliegende Region von spanischen, französischen und italienischen Söldnern geplündert. Ein Münzschatzfund (Golddukaten) 1933 in Pünderich stammt aus dieser Zeit. Eine Polizeiordnung erhält Pünderich 1618, die das Pündericher Leben regelt. Ob

Häuserbau, Brandschutz, Bürgergeld, Gemeindeland, Bestimmungen zu dem Privateigentum etc. waren in 49 Paragraphen geregelt.

Die Schreckensjahre des Dreißigjährigen Krieges brachten auch im mittleren Moseltal Not und Elend. 1620 spanische Besetzung, 1631 schwedische Besetzung und ein Jahr später französische Besetzung die bis 1698 anhielt.

Schwer zu leiden hatte die moselländische Bevölkerung unter der Unterjochung der französischen Besatzer. König Ludwig XIV. ließ im benachbarten Traben-Trarbach auf dem „Mont Royal“ eine mächtige Festung anlegen, wozu die hiesige Bevölkerung Mensch und Material stellen musste. Über 8000 Fronarbeiter errichteten in der Zeit von 1687-1698 das riesige Bollwerk – für rund 12.000 Soldaten. Solch eine Anzahl von Soldaten will beköstigt sein und so hatte das Umland ungeheuere Abgaben an Lebensmittel zu leisten. Auch Pünderich wurde hierbei nicht verschont. So hatte das mittlere Moseltal keinen Dreißigjährigen Krieg, sondern einen fast „Achtzigjährigen Krieg“ zu erdulden.

 

In den Zeiten des Spanischen (1701-1714) und Polnischen Erbfolgekrieges (1733-1735) hatte Pünderich immer wieder gewaltige Einquartierungs- und Verpflegungskosten zu tragen.

Erneut besetzten uns die Franzosen von 1794 bis 1815. In den napoleonischen Kriegen musste Pünderich Männer zur Verfügung stellen. Ein im Jahre 2012 aufgefundener Brief des Pündericher Bürgers Mathias Burger aus dem Jahre 1812, im Dienst des Garde Grenadiers Regiment Paris, schildert das ungewollte arme Soldatenleben. (Siehe Foto)

Mit der Vertreibung der napoleonischen Truppen wurde Pünderich 1815 preußisch. Der Anfang des 19. Jahrhundert bescherte uns witterungsbedingt keine großen Ernten. Der Hunger war an Alltag. Darum verließen uns die ersten Pündericher Auswanderer Namens „Rockenbach“ 1825 in Richtung Brasilien. Weitere große Auswanderungswellen von 1850 bis 1900 nach Brasilien und den USA folgten. Rund 490 Bewohner verließen Pünderich in dieser Zeit in die Neue Heimat. Kontakte zu den Nachfahren bestehen heute noch.

Kaum ein Bauwerk veränderte die Landschaft bei Pünderich wie der Bau des Hangviaduktes auf der gegenüberliegenden Moselseite. Von 1873 bis 1878 entstand das 97 bögige Hangviadukt mit einer Länge von 786 Metern. Mit dem Bau der Reichsbahnstrecke (Kanonenbahn) erhielt Pünderich auch seinen ersten Bahnhof gegenüber von Pünderich. Diese kriegswichtige Eisenbahnlinie war in den beiden Weltkriegen immer wieder Ziel von feindlichen Angriffen.

 

Eine weitere Eisenbahnlinie auf der Pündericher Seite wurde von 1903-1905 errichtet. Die Moseltalbahn, auch Saufbähnchen genannt, verkehrte von Bullay nach Trier mit einer Reisehöchstgeschwindigkeit von 35-40 Stundenkilometer. Zeitweise konnte man von jedem angefahrenen Ort Wein in der Moseltalbahn trinken, schnell hatte die Eisbahnlinie den Namen „Saufbähnchen“ bekommen. Bekommen hat Pünderich durch diesen Bau der Eisenbahnlinie einen zweiten  Bahnhof. Er steht heute noch in unmittelbarer Nachbarschaft unseres Landhauses. Das Ende der Moseltalbahn wurde mit der Kanalisierung der Mosel eingeläutet. Somit verließ am 30.09.1961 der letzte Personenzug des Saufbähnchen Pünderich. Ein Jahr später erfolgte die Stilllegung der Fahrstrecke Bullay-Niederemmel.

Das Wirtschaftswunder den 1950er und noch zum Teil der 1960er Jahren erfasste auch das Pünderich. War bis dahin von Landwirtschaft und Weinbau geprägt, verschwand Ackerbau und Viehzucht vollends. Weinbau dominierte immer mehr. Dazu gesellte sich der Tourismus. Zunächst auf den Campingplätzen und Hotels, später Privatpensionen und ab den 1980er Jahren der nächste kleine touristischer Wandel von Gästezimmer in Ferienwohnungen.

Wenn Sie mehr über die Geschichte von Pünderich und Umgebung erfahren wollen, mieten Sie sich einfach im Landhaus-Schneiders ein, denn dort wohnt auch der Ortschronist.

Ihr

Winfried Schneiders

Landhaus Schneiders | Bahnhfofstraße 12 | 56862 Pünderich

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